Heldenreise

»Ich möchte endlich glücklich sein!«

21. Oktober 2018

war einer der Sätze, die ich noch vor nicht all zu langer Zeit von mir gegeben habe und vermutlich hin und wieder auch immer noch von mir geben werde. Seit Monaten möchte ich diesen Beitrag schreiben und bis jetzt wusste ich einfach nicht, wie ich anfangen soll. Auch mit der Therapeutin habe ich viel und lange darüber geredet, was dieser Satz für mich bedeutet.

Glücklich oder vielleicht eher zufrieden?

Ist das, was wir heute als glücklich sein bezeichnen, nicht eigentlich eher Zufriedenheit? Ich bin mittlerweile der Ansicht, dass glücklich eigentlich eine kurzweilige, aber sehr starke Empfindung ist, z. B. wenn man seine Abschlußprüfung bestanden oder hinter sich hat. Dieses starke Empfinden überquellender Zufriedenheit, purer Wonne (nenn‘ es ruhig wie du magst), DAS würde ich als glücklich bezeichnen, alles was danach kommt ist für mich Zufriedenheit. Und die kann auch wesentlich länger anhalten.

Zufriedenheit ist gemäß dem Bedeutungswörterbuch des Duden:
a) innerlich ausgeglichen zu sein und nichts anderes zu verlangen, als man hat;
b) mit den gegebenen Verhältnissen, Leistungen oder ähnlichem einverstanden zu sein, nichts auszusetzen zu haben.

Seite „Zufriedenheit“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 20. April 2018, 13:02 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Zufriedenheit&oldid=176703476 (Abgerufen: 21. Oktober 2018, 15:11 UTC)

Ist das alles nur Haarspalterei?

Vielleicht ist diese Wortdefinition für dich auch nur Haarspalterei. Für mich hat sie aber einen ganz großen Unterschied gemacht. Ich war so lange auf der Suche nach dem Glück, nach dem perfekten Leben, dass mich für immer glücklich machen wird. Doch als meine Therapeutin mich fragte, was ich mir darunter denn tatsächlich vorstellte, da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Alles wonach ich strebte, war nicht das Glück per se, sondern Zufriedenheit. Glücklich war ich als ich meine Gesellenprüfung bestanden hatte oder an unserer Hochzeit. Klischee, ja ich weiß, aber wenn ich an unsere Hochzeit zurück denke, war ich wirklich einfach glücklich. NICHTS konnte das trüben. Und dieses Gefühl wollte ich für immer haben und weil ich es nicht hatte, habe ich nach all den Fehlern gesucht.

Wenn xy eintritt, werde ich endlich glücklich sein.

Jeder kennt diesen Satz, du hast ihn gewiss auch schon mal formuliert und strebst vielleicht sogar danach. Bei mir waren das z. B. Sätze wie »Wenn ich fertig ausgemistet habe, dann…« oder »Wenn ich schlank bin, dann…« und zumindest zum ersten davon, kann ich ein Statement abgeben. Ja, direkt nachdem ich ausgemistet hatte, war ich unglaublich glücklich, froh, aber vor allem stolz auf mich. Ich bin froh, dass ich mir genug in den Arsch treten konnte um es durch zu ziehen und jetzt sehr zufrieden, weil es endlich einen großen Schritt näher an dem ist, was ich all die Jahre haben wollte. Ich habe dadurch innere Ruhe gefunden, vor allem als wir endlich mit dem Keller fertig waren.

Mit dem zweiten Satz habe ich allerdings noch meine Probleme. Er existiert immer noch in meinem Kopf und ich glaube, er setzt mich auch ein wenig unter Druck. Natürlich werde ich glücklich sein, wenn ich mein Zielgewicht endlich erreicht habe, aber auch danach wird sich Zufriedenheit einstellen. Das ist auch absolut ok so und definitiv erwünscht. Jetzt aktuell bin ich mit dem Thema so gar nicht zufrieden und ja… in gewisser Weise auch unglücklich darüber, dass es überhaupt so ist. Aber ich freue mich über jedes Kilo das verschwindet und mit jedem purzelnden Kilo, wächst meine Zufriedenheit und auch mein Selbstwert und -bewusstsein. Ich muss in der Zeit nur einfach lernen, mir nicht zu viel Druck zu machen.

Und bis dahin wird optimiert.

Es gab und gibt in meinem Leben ein paar Punkte, die der inneren Zufriedenheit im Weg stehen. Das Gewichtsthema ist natürlich eins davon, aber auch ein sehr langwieriges Thema, bis ich mich auch nur ansatzweise dem Ziel nähere. Daher habe ich beschlossen in der „Wartezeit“ alles andere zu optimieren und mich in diesen Belangen zufrieden zu stellen. Dadurch, dass mein Gewichtsthema auch stark mit meinem psychischen Befinden zusammen hängt, ist das eigentlich sogar eher eine Win-Win-Situation.

Da ich in meinem letzten Job einfach nicht mehr sonderlich zufrieden war, vor allem weil mir die Samstage fehlten und ich mehr Zeit mit fremden Menschen, statt mit Herzmenschen, verbracht habe, habe ich mich entschieden das gute Jobangebot anzunehmen und zu wechseln. Ich lege mehr Wert auf meine Hobbies und auf die Dinge die mich interessieren, wähle aus absoluter Überzeugung jene Partei, die meine Werte vertritt und gebe auch mal fast hundert Euro für eine Konzertkarte aus, weil ich weiß, dass es ein glücklicher Moment sein wird, der mir in Erinnerung bleibt.

Ich bin werde ich.

Ich schaffe mehr Raum für mich selbst und kann endlich mit Fug und Recht behaupten, hinter meinen Entscheidungen und mir selbst zu stehen und bin dabei, mich selbst zu akzeptieren. Ja sogar meinen Körper zu akzeptieren. Damit meine ich nicht, dass ich jetzt einfach dick bleibe und damit glücklich bin, sondern dass ich ihn so annehme wie er jetzt ist, damit ich MIT ihm arbeiten kann und nicht gegen ihn.

In den letzten Monaten habe ich eines ganz stark verinnerlicht: Was mir nicht gefällt, ändere ich. Und ich gewinne dadurch so viel Authentizität mir selbst gegenüber und weil das so ist, habe ich auch das Gefühl, dass die Menschen um mich herum anfangen, mich mehr zu akzeptieren. Wobei das vielleicht sogar Einbildung ist, aber selbst wenn… solange es mir ein besseres Gefühl gibt, darf die Einbildung auch gern bleiben. 😉

Bildquelle: Victor Freitas
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  1. Hallo Barbara,
    ein wirklich toller und persönlicher Beitrag.
    Das mit dem Glück ist ja immer so eine Sache, aber dein Fazit zum Schluss: Was mir nicht gefällt, ändere ich. Ist bestimmt ein Weg hin zum glücklich sein. Außerdem gefällt mir dieser Satz sehr.
    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

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